Liebe Eltern, liebe Kinder, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

mein Name ist Anna-Maria. Ich bin Schauspielerin und Unternehmerin eines vor Corona super laufenden Coaching-Instituts für Stimm- und Präsentationstraining hier in HH. Durch die Krise sind für mich die Türen zu beiden Berufen zu. Die Theater sind dicht und Stimm- Präsenztraining bei so einem Virus….nunja….

Ich müsste dringend Zeit investieren, um die Auftragslage wieder anzukurbeln, kann es aber nicht, weil da eine 8-Jährige Tochter zuhause ist, die nur montags zur Schule geht und eine 2-Jährige, die 1:1 Betreuung braucht, und der im Moment nur 3 Tage Kita gestattet sind. Mein Mann bringt mehr Geld nach Hause, also ist er es, der arbeiten geht und so teilen wir uns, so gut es geht, die Zeit auf. Vor Corona war ich voll berufstätig, jetzt fühle ich mich wie viele Frauen in eine Zeitmaschine geworfen und in den 50 er Jahren wieder ausgespuckt.

Ein Einzelfall? Leider nicht! Gerade bin ich also Schauspielerin und Unternehmerin im Home-Office. Wie das geht, fragt ihr euch? Das frage ich mich schon seit drei Monaten. Und damit sind wir auch schon beim Thema.

Wie soll es eigentlich weitergeben?

Ein wichtiger Bestandteil in der Arbeit eines Schauspielerin ist die Visualisieren. Ich stelle mir vor, hmm, ich stelle mir vor: heute ist Zeugnisvergabe für den Hamburger Senat. Bewertet man das Verhalten des Hamburger Senats während der letzten 3 Monate, dann war das ein: „Er war stets bemüht, könnte sich allerdings noch etwas mehr einbringen..“

Nun, wir wollen mal nicht so sein, belassen wir es bei einem Eintrag ins Klassenbuch und der dringlichen Aufforderung in den Sommerferien nachzusitzen. Wie wär‘s mit Lernferien, aber verpflichtend, nicht
freiwillig! Denn wir brauchen einen Plan für den Herbst! Und wir brauchen eine echte Qualitätsoffensive für KiTas und Schulen. Wir von der Initiative „Familien in der Krise“ helfen gerne dabei!

Wir von der Initiative Familien in der Krise sind heute hier, um Ihnen liebe
Hamburger- und liebe Bundesregierung zu signalisieren, dass wir mit Euch
gemeinsame Sache machen wollen, dass wir Familien mit ins Boot geholt werden wollen, bei allen Dingen, die mit Familie zusammenhängen, kurz, dass wir nach drei Monaten auch endlich einmal gefragt werden wollen! Mit der Wirtschaft setzt ihr euch zusammen an den runden Tisch, warum nicht mit Familien? Wir Eltern sind Leistungsträger, das heißt, auch Väter und Mütter gehören zur arbeitenden Bevölkerung! Wie könnt ihr nach dem Lockdown alles wieder hochfahren wollen und uns Familien dabei vergessen? Homeoffice ist keine Kinderbetreuung und umgekehrt! Die Arbeitgeber haben langsam kein Verständnis mehr, der Jahresurlaub ist aufgebraucht.

Euch liebe Hamburger Familien haben wir heute eingeladen, weil wir euch
überzeugen wollen, sich unserer Initiative anzuschließen, die sich ab dem 14. Mai bundesweit nur über Social-Media-Kanäle vernetzt hat und in kürzester Zeit zu einer feste Community von 250 Mitgliedern gewachsen ist. Bei Twitter haben wir ca. 120 Followern, auf Instagram ca. 800, bei Facebook 1015. Wir wollen wachsen! Für euch und mit Euch!
Formieren wir uns, denn bessere Qualität und bessere Arbeitsbedingungen in Kitas und Schulen bedeutet, dass unsere Kinder bessere Erziehungs- und Bildungschancen haben. Oder wollt ihr, dass es in ein paar Jahren bei euren Kindern heißt: „oh, du bist so‘n Corona-Kind, ne? – nee, tut mir leid, hab leider keinen Ausbildungsplatz für dich..“

Wir haben heute einige Politiker*innen eingeladen und, weil wir natürlich wissen wollen, wie deren Blick auf diese vergangenen 3 Monate ist und vor allem, ob es mehr gibt, als eine vage Idee zu einem Plan A (also alles läuft normal) und einem Plan B (2. Infektionswelle im Herbst.)
Die Gästeliste, die wir quasi zu viert mit einer Handvoll Unterstützerinnen
innerhalb einer Woche auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen. Die FDP, CDU, die Grünen, die Linke, die SPD ist vertreten, vielen Dank für Ihre Zusage, sowie Vertreter von verschiedenen Verbänden wie z. B. der LEA, gesetzliche Elternvertretung aller Hamburger Krippen, Kitas und der Nachmittags und Ferienbetreuung an GBS-Schulen und 2 Initiativen. Alle Geladenen werden verschiedene Perspektiven einbringen werden zu diesem sehr komplexen Thema.

Rede Hamburg 19. Juni 2020 (eigenes Foto)

Wie lässt sich verhindern, dass Kinder und ihre Eltern in jeder Hinsicht wieder so benachteiligt werden?

Unsere Forderungen:

  1. Der Verlust eines weiteren halben Schul- oder Kitajahres ist keine Option!, Wir brauchen einen zukunftsorientierten, klaren Maßnahmenkatalog für den Herbst für eine eventuelle zweite Infektionswelle Damit nicht auch in HH die Situation eintritt, wie im Kreis Gütersloh.
    Da fliegen die katastrophalen Arbeitsbedingungen in einem
    fleischverarbeitendem Betrieb auf, und wer hält jetzt wieder den Kopf dafür hin? Die Kinder, 2 Tage nach der Schulöffnung – was können die dafür, dass in so einem Betrieb unzureichende Arbeitsbedingungen herrschen? Der Betrieb läuft noch 2 Tage weiter, aber die Schulen u Kitas werden sofort dichtgemacht?
    Familien, macht euch sicht- und hörbar im Kreis Gütersloh!!!
  2. Es darf nie wieder vorkommen, dass Eltern, die arbeiten, gleichzeitig dazu aufgefordert werden, ihre Kinder zuhause zu betreuen/zu beschulen. Das ist eine Aufgabe der Gesellschaft und kein Privatproblem. Und wir werden nicht noch einmal zulassen, dass es von der Bundesregierung auf die einzelnen Ressorts abgewälzt wird, die wiederum den schwarzen Peter den Schulen und Kitas zuschieben und sagen: Macht mal irgendwie.

  3. Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wie Kitas, Schulen, auch
    Jugendzentren, müssen in vollem zeitlichen und qualitativen Umfang öffnen, dazu gehört für uns auch die Nachmittagsbetreuung, Klassenreisen, Sport etc.

  4. Wenn es weiterhin/wieder zu Einschränkungen kommt, muss der Senat für alternative Bildungs- und Betreuungskonzepte finanziell aufkommen (v.a. digitale Ausstattung, Räume, Personal) Und bei diesem Thema ploppen so viele Baustellen auf:
    – Wie soll Fernunterricht laufen, wenn viele Hamburger Schulen noch nicht einmal einen funktionierenden Internetzugang haben, 38 000 Tablets für Schulen zwar bestellt, aber erst in einem halben Jahr geliefert werden? Und dann nicht mal geklärt ist, ob für die Installation jemand bezahlt werden wird und wer es machen soll. Ich fürchte, der Hausmeister, der ja an vielen Schulen meist zum IT-ler gemacht wurde, kann das nicht alleine leisten.
    – Wasserdichte Hygiene- und Personalkonzepte für Kitas und Schulen, um eine durchgängige Betreuung auch bei Rückkehr des Virus zu gewährleisten. Vorgaben machen ist gut und schön. Aber: Lasst die Erzieherinnen und Erzieher Lehrerinnen und Lehrer nicht allein! Oder wer soll diesen verantwortungsvollen Job denn machen, wenn ihr alle so verheizt?

  5. Einheitliche und verpflichtende Weiterbildung der Lehrer*innen in Sachen digitales Unterrichten: es herrscht bei vielen Lehrer*innen ein eklatanter Mangel an methodischem und didaktischem Wissen, um online zu lehren.

  6. Gangbare und realistische Lösungen für häusliches Lernen. ( Ich vermeide hier das Unwort des Jahres.) Und ich meine damit nicht, dass Eltern Aushilfslehrer spielen.

  7. Ein klarer Umgang mit der bisherigen Ansage: wenn das Kind Schnupfen hat, bleibt es zuhause. Wie schon geschehen, werden Kinder jetzt schon für 2 Wochen nach Hause geschickt, obwohl der Arzt attestiert hat, dass es sich nur um einen Schnupfen und nicht um eine Erkältung handelt. 2 Wochen Quarantäne, weil die Nase läuft, ist keine Option! Aufstockung der Kinderkrank-Tage ist das Mindeste! Sowie präventive Corona-Tests, wie es auch Dr. Renz vom Bundesverband der Kinder-und Jugendärzte fordert.

  8. Wir fordern einen durchdachten, transparenten Plan für eine eventuelle 2. Infektionswelle. Insbesondere mit Blick auf den Kinderschutz und die Kinderrechte. Die erhöhte Gefahr der Gewalt gegen Kinder, die dem Blick der öffentlichen Institutionen entzogen sind, muss sofort eingedämmt werden. Viele Fachgesellschaften warnen explizit vor den psychischen Schäden, die Kinder erleiden können, wenn sie ihre Kindheit nur im Kinderzimmer oder vor der Glotze verbringen müssen. Ich habe das vielfach in meiner Arbeit mit Kindern u Jugendlichen und in meinem Umfeld gesehen. Kinder brauchen Kinder!

  9. Rehabilitation von unseren Kindern, die in der Presse als Virenschleudern und Keimschleudern bezeichnet wurden. Was sind das für Worte? Ein Vater aus meinem Bekanntenkreis kämpft gerade auf verlorenem Posten dafür, dass diese Begriffe nicht mehr auftauchen. Und ich sage Ihnen, wir sind es leid, dass unsere Mitmenschen mit einem Riesensatz zur Seite springen, wenn Kinder egal welchen Alters vorbeikommen und Abstand brüllen, als seien das Virus-Zombies. Wir wollen, wenn wir mit unseren Kindern einkaufen gehen solche Sätze nicht mehr hören, wie: Nehmen Sie das Kind da weg oder das ist hier kein Familienausflug! Und ich fange mal an mit dieser Rehabilitierung, hier kommt nämlich der Knaller: In einer Baden Württemberger Studie wurden 2.521 Kinder zwischen einem und zehn Jahren getestet. Fazit dieser bislang größten Studie: „Kinder sind keine besonderen Treiber von Corona-Infektionen, wie wir das etwa bei Grippeviren kennen“, sagt dazu Klaus-Michael Debatin, Direktor der Kindermedizin an der Uniklinik Ulm. Sie stecken sich deutlich seltener an, als Erwachsene. Das gilt auch für Kinder in Notbetreuung, deren Eltern während des Lockdowns ja deutlich mehr Kontakte hatten als andere.

  10. Wir wollen runde Tische mit Politiker*innen, Lehrern*innen, Schulen und Schulleiter*innen, Kitaträgern- und leitungen, Erzieher*innen, Eltern, Experten*innen für Gesundheit von Kindern, Kinderschutz und Kinderrechten und Digitalisierungsexperten*innen. Dialog statt Nicht-Kommunkation!

  11. Und ganz wichtig! Langfristig wollen wir mehr Investitionen in den Bereich Bildung. Denn ja! KiTas sind keine Ikea-Smalland-Dienstleister, sondern Bildungseinrichtungen. Erzieher*innen sind keine abkommandierten Bastelanimateure und Lehrer*innen können nicht im Alleingang die Bildung von ca. 30 Kindern pro Klasse vollumfänglich sicherstellen. Wir fordern eine ernstgemeinte Qualitätsoffensive, ein höheres Ansehen für diese Berufe und alle nur erdenklich Mühen, um Deutschland in diesem Punkt voranzubringen! Jetzt heißt es clever investieren und das geht nur, wenn man die Strukturen hinter dem sozialen Bereich kennt und wir mit den Vertreter*innen von Kitas und Schulen gemeinsam durchdachte Entscheidungen treffen, anstatt dass über die Köpfe von uns Familien hinweg entschieden wird. Freuen Sie sich auf verschiedene Blickwinkel von Betroffenen, Politik und Initiativen zu fast allen Facetten dieses Themas. Ich möchte Ihnen die erste
    Rednerin vorstellen: …