Familien in der Krise vom Schulkonzept 2020/2021 enttäuscht – eine Aussetzung der Schulbesuchspflicht ohne Attest hängt sozial benachteiligte Kinder weiter ab

Die Vertreter:innen der Initiative „Familien in der Krise“ Baden-Württemberg begrüßen die Ausarbeitung eines Schulkonzeptes für das Schuljahr 2020/2021, in welchem einige Forderungen der Initiative berücksichtigt wurden. In diesem wird der Schulunterricht im gewohnten Umfang vor Ort angestrebt, solange die Infektionszahlen dies ermöglichen.

Der Unterricht in einheitlichen Gruppen, verbindliche Standards für das Fernlernen und die Unterstützung für Kinder ohne digitalen Zugang sind darin erstmals beschrieben. Zudem werden Sommerkurse angeboten. „Wir hoffen, dass dies nur die ersten verbindlichen Schritte für die Gestaltung des Schulalltags in der Pandemie sind“, äußert sich Zarah Abendschön-Sawall von der Initiative „es fehlen weiterhin tragfähige Konzepte für eine mögliche zweite Welle z.B. hinsichtlich Notbeschulungskonzepte, Unterstützung für Eltern und Kinder in Fernlern-Phasen, sowie deren praktische Umsetzung.”

Außerdem ist für die Initiative nicht nachvollziehbar, wie die Verkürzung des Curriculums in kommenden Schuljahren berücksichtigt wird und wie eine Bewertung von Aufgaben aus dem Fernlernen fair durchgeführt werden soll. In Bezug auf eine Teststrategie für Schulen gibt es bisher nur vage Andeutungen. Fr. Dr. Eisenmann beteuert, dass „Schule mehr als reine Wissensvermittlung“ ist. Dies weckt in den Familien die Erwartung, dass über die vorliegenden Ergebnisse hinaus weitere Kraft in Lösungen für eine gute allgemeine Schulbildung während der Pandemie investiert wird.

Der größte Kritikpunkt jedoch ist die faktische Aussetzung der Schulbesuchspflicht. Eltern können ihre Kinder ohne Attest generell vom Unterricht befreien. „Die Aussetzung der Schulbesuchspflicht ohne Attest birgt gerade für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und aus Familien, in denen die Eltern die Schule als Ganzes in Frage stellen eine große Gefahr!“ Dr. Ellen Bruske, Sprecherin von „Familien in der Krise“. Die Initiative befürchtet, dass hier das Recht der Kinder auf Bildung – unabhängig davon aus welchem Elternhaus sie kommen – komplett ausgehöhlt wird.