“Gute Bildung, schönes Leben, sollte es für alle geben” so schallt es laut aus den Kehlen von ca. 100 Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern, die sich trotz großer Hitze und kurzfristiger Planung auf dem Ludwigsplatz in Eppingen versammelten.

Nachdem den Schüler*innen klar wurde was das Schulkonzept 2020/2021, erarbeitet durch das Kultusministerium für ihren zukünftigen Schulalltag bedeutet, war schnell klar, dass die Kinder und Jugendlichen dies nicht einfach so hinnehmen. So wurde innerhalb kürzester Zeit mithilfe des Gesamtelternbeirats der Eppinger Schulen und der Initiative “Familien in der Krise” eine Demonstration auf die Beine gestellt. Mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand, ausreichend Ordnern, sowie mit Masken und Desinfektionsmittel sowie mit vielerlei bunten Schildern machen die Teilnehmenden laut klar was aus ihrer Sicht nicht in Ordnung ist. “1,2,3,4 freie Bildung wollen wir; 5,6,7,8 ohne Bildung gute Nacht; 9 und 10 der Widerstand muss weitergehen” oder “Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns die Kultur klaut” schallt es rhythmisch und laut aus allen Kehlen.

Bei den Teilnehmenden herrscht die einheitliche Meinung, dass der Schutz vor Ansteckung und die Eindämmung des Virus wichtig sind. Jedoch herrscht großes Unverständnis darüber, dass generell alle klassenübergreifenden Aktivitäten verboten sind. Dieses Verbot gilt unabhängig vom Infektionsgeschehen für das gesamte nächste Schuljahr. Folgen hat dies insbesondere für die freiwilligen Arbeitsgemeinschaften (AGs), das offene Ganztagsangebot und die Schülermitverwaltung (SMV) an allen weiterführenden Schulen.

“Schule ist auch ein Ort, an dem man auf Menschen trifft mit denen man sonst nichts zu tun hätte,” erklärt Maya Zimmermann, Schülersprecherin des Hartmanni Gymnasiums “ durch die AGs hat man klassen- und jahrgangsübergreifend Berührungspunkte und blickt somit über den eigenen Tellerrand hinaus.” Dies ist nun durch die neuen Regeln für das ganze Schuljahr 2020/2021 nicht mehr möglich. Die Schule als Ort des sozialen Miteinanders sei dadurch gefährdet. Vor allem für jüngere Schüler, ist der Zusammenhalt und das Miteinander wichtig. Das gibt diesen das Gefühl, dass sie nicht alleine sind und sich immer an jemanden wenden können, wenn es Probleme gibt.  Das freiwillige Angebot der AGs wie Theater, Chor, Orchester, Fremdsprachen und Technik all das stützt das Konzept der Schulen als Ort der vielfältigen Bildung. “Wenn diese kostenlose Angebote an Schulen nicht mehr stattfinden, dann erhalten diese Bildung nur noch Kinder, deren Eltern dies finanziell leisten können und wollen” befürchtet Zarah Abendschön-Sawall, Mitglied der Initiative Familien in der Krise und Mutter zweier Schulkinder am Hartmanni Gymnasium. “Dies verstärkt die durch die Coronakrise sowie zugenommene Kluft zwischen den Kindern und sorgt für massive Verschlechterung der sowieso schon kaum vorhandenen Chancengleichheit.”

Aber auch der offene Ganztagesbetrieb ist in Gefahr. Vor allem für Unterstufenschüler*innen mit berufstätigen Eltern ist es wichtig, dass sie nach dem Pflichtunterricht gut betreut werden. Dies ist jedoch bisher in klassenübergreifenden Gruppen, z.B. in Form von Hausaufgabenbetreuung, erfolgt. Dafür ein Hygieneplan zu erstellen sei möglich, meint eine Lehrerin, schließlich findet der kommerziell angebotene Nachhilfeunterricht ebenfalls mit Kindern aus unterschiedlichen Klassen und Schulen jetzt schon statt.

Auch die gelebte Schülermitverwaltung (=SMV) in Form von Gremienarbeit, Veranstaltungen und weiteren Aktionen wird durch die Verbote faktisch ausgesetzt. Das konkrete Erleben von Demokratie im kleinen ist jedoch ein elementarer Bestandteil des Schullebens. “Die jetzt existierenden Strukturen werden vermutlich zerstört” ahnt Maya Zimmermann.  “und können so von den älteren Schüler*innen nicht an die nachfolgenden übergeben werden. Die Jüngeren können so nicht erleben, was es heißt als Schüler*in die Schule aktiv mitzugestalten.”

Bleibt das Verbot der klassenübergreifenden Angebote an der Schule, dann hat das nicht nur Folgen für das nächste Schuljahr, vielmehr befürchten Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern, dass auch in den folgenden Schuljahren diese negativen Folgen lange nachwirken. Dafür werden diese nochmal laut, emotional und wunderschön “As I have a dream” schallt es mehrstimmig über den Platz. In der Hoffnung auf Nachbesserungen und Korrekturen im Schulkonzept 2020/2021.