Hatschi – mal wieder!

Hatschi, ein leichter Husten oder gar ein falsches Räuspern. Die Verunsicherung vor Ort ist groß. Deutschlandweit stehen Eltern an KiTa-Türen oder vor Schulgebäuden mit der Frage:
Darf mein Kind heute kommen?

Umso ärgerlicher, wenn die Richtlinien der Landesregierungen oder der Senatsverwaltungen so schwammig sind, dass „Auslegungssache“ noch die netteste Interpretationsmöglichkeit ist.

Ihr wollt Klarheit? Dann fragt doch mal bei Eurem Gesundheitsamt nach. Wir stellen euch Fragen zur Verfügung.

  • Wie werden Sie beraten?

Wir sehen in der Öffentlichkeit nur, dass die Bundespolitik durch Virologen, insbesondere durch Herrn Drosten beraten wird. Wie werden Sie hier in XY beraten und in welcher Form berücksichtigen Sie die psychische, soziale und gesellschaftliche Situation von Kindern und Jugendlichen?
Welche anderen Expert*innen wie z.B. Kinderärzt*innen und Kinderpsycholog*innen ziehen Sie in gleichem Maße zu Rate wie Virolog*innen und wie wird deren Meinung gewichtet?

  • Welches Ziel prägt ihr Handeln?

Zu Beginn der Krise wurden die Maßnahmen damit begründet, dass verhindert werden müsse, dass das Gesundheitssystem – das zu dem Zeitpunkt (Februar/März) noch dabei war, die Grippesaison zu verarbeiten – nicht überlastet werden dürfe. Eine solche Überlastung hat sich in Deutschland stellenweise nur punktuell abgezeichnet. Warum ist nun die Politik in Ihrer Argumentation umgeschwenkt und verfolgt eine Null-Infektions-Politik?

  • Hygienepläne
  • Gibt es neben den Hygieneempfehlungen und den Handreichungen für Kitas und Schulen weitere Hygienevorgaben für die Einrichtungen?
  • Wer erstellt die konkreten Hygienepläne einer Einrichtung und welche Rolle haben Sie als Gesundheitsamt dabei?
  • Wie stellen Sie sicher, dass Kitas und Schulen die Hygieneempfehlungen/-vorgaben nicht zu streng und nicht zu locker auslegen?

Die Schulen und Kitas haben die Hygienevorgaben in der Praxis teils sehr strikt ausgelegt. Das führte dazu, dass z. B. Gebäude in Schulen aufgrund schmaler Flure geschlossen blieben und weniger Unterricht als im Lehrplan vorgesehen stattfinden konnte. Manche AGs oder Unterrichtseinheiten, wie Chorproben oder Theater-AGs wurden ganz gestrichen. Weiterhin dürfen in einigen KiTas Kinder nur an der Türe übergeben werden.
Durch mangelnde Bewegung in Sportvereinen und Schulen sowie durch fehlende soziale Interaktion ist die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen jedoch eher gefährdet als geschützt worden. Wie verhindern Sie in Zukunft, dass Einrichtungen, Schulen und Vereine Vorgaben und Empfehlungen aus Angst vor Fehlern strikter als nötig auslegen? Und wie soll unverhältnismäßigen Entscheidungen vorgebeugt werden?

  • Betreuungsausschluss aufgrund von Symptomen
  • Wie stehen Sie zum Thema Betreuungsausschluss bei leichtem Schnupfen?

In vielen Kitas gilt Schnupfen als Symptom und führt zum Ausschluss des Kindes, in einigen nicht. Welche Haltung hat das Gesundheitsamt hierzu? Schnupfen von Oktober bis März ist keine Seltenheit bei Kindern und Teil der Ausbildung des Immunsystems. Warum wird hier vielfach auf eine Symptomfreiheit bestanden. Häufig müssen Kinder 48 Stunden frei von Symptomen sein, um die Einrichtungen betreten zu dürfen. Ein klarer Fließschnupfen hingegen wurde u. a. von einigen Landesregierungen/Senatsverwaltungen als COVID29-Indikator ausgeschlossen. Können Sie bestimmte Symptome aus der Sicht des Gesundheitsamtes praxistauglich benennen und klar abgrenzen?

Es häufen sich Fälle, dass Kinder trotz eines negativen COVID19 Tests nicht zurück in die Krippe/Kita dürfen mit der Begründung, das Symptom Schnupfen sei noch da! Hier zuletzt an einer KiTa, die an der Studie des MFFKI des Landes NRW teilgenommen hat. Wie steht das Gesundheitsamt zu diesem Vorgehen?

  • Wie steht das Gesundheitsamt zu einheitlichen Spucktests für Kinder?

Ein Abstrich aus dem Rachenraum ist für Kinder häufig eine sehr unangenehme Testmethode, begleitet von Ängsten und psychischen Folgen. Ganz davon abgesehen geht eine Stigmatisierung von Kindern damit einher, die nicht ohne Folgen bleiben wird.

  • Welchen Einfluss hat das Gesundheitsamt für die Entscheidungsfindung der Stadt bzw. des Landes? Wie werden Empfehlungen berücksichtigt?

Eine immer wiederkehrende Betreuung im häuslichen Umfeld von Oktober bis März wird für berufstätige Eltern kaum zu leisten sein. Davon abgesehen werden die Teilhabechancen an Bildungsangeboten nicht sichergestellt werden können. Kinder sowie Eltern brauchen Klarheit. Praxisnahe Konzepte sind hier genauso wichtig, wie detaillierte Ausschlusskriterien für einzelne Symptome.

  • Vorgehen im Fall einer COVID-19-Infektion
  • Wie ist das Vorgehen im Fall einer COVID-19-Infektion an Schulen?

Wann werden Klassen, wann die gesamte Schule vom Unterricht ausgeschlossen? Gibt es hier Eskalationsstufen und wer legt diese fest? Bis wann können die Lehrer*innen, Kinder und Eltern mit den Testergebnissen rechnen? Dürfen die negativ getesteten Schüler*innen und Lehrer*innen zurück in die Schule? Gibt es hier für Schulen und Eltern eine Art „Leitfaden“?

  • Wie ist das Vorgehen im Fall einer COVID-19-Infektion an Schulen? Kita/Krippe?

Anlass für unsere Nachfrage sind u. a. ein Fall in Heusenstamm/Rembrücken (Hessen) sowie Fälle in Bielefeld (NRW). Hier heißt es, dass – unabhängig von einer negativen Testung – alle Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne bleiben müssen. Warum dürfen Kinder mit einer negativen Testung nicht wieder die KiTa besuchen und müssen in Quarantäne bleiben, während für Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine negative Testung ausreichend ist.

  • Nach welchen Vorgaben wird entschieden, ob eine Kita/Krippe/Schule geschlossen wird und wann und wie lange eine Quarantäne angeordnet wird? Wer ordnet dieses Vorgaben an?

Für Eltern stellt die Quarantäneregelung ein großes Problem dar. Da Familienangehörige nicht in Quarantäne kommen, erhalten Eltern keine Freistellung. Viele haben bereits seit März ihren Jahresurlaub aufgebraucht, Arbeitgeber haben wieder auf Präsenzpflicht umgestellt und monetäre Förderprogramme des Bundes sind auch ausgelaufen. Zwei Wochen Urlaub – jedesmal wenn eines von 100 Kindern positiv getestet wird – ist schlicht nicht mehr darstellbar.

Weitere Fragen

  • Wie schätzt das Gesundheitsamt die psychischen Folgen von Kindern und Jugendlichen durch die lange Isolation ein? Gibt es begleitende Studien dazu?
  • Wie steht das Gesundheitsamt zu dem Thema präventive Testung?
  • Kann ein/eine Mediziner*in seriös eine Erkältung von COVID-19 unterscheiden? Und falls nein, müssen dann alle Kinder, die direkten Kontakt hatten, getestet werden?
  • Wie verlässlich sind Spucktests im Vergleich zu Rachenabstrichen?
  • Wird das Gesundheitsamt Antikörper-Tests in Zukunft als Erhebungsmethode mit einbeziehen? Falls ja, wie verlässlich sind diese, auch im Hinblick auf eine mögliche Immunität?
  • Wann raten Sie als Gesundheitsamt zu einem COVID-19-Test und wer trägt die Kosten dafür?
  • Gibt es eine Abstimmung zwischen allen Gesundheitsämtern des Bundeslandes mit einheitlichen Regelungen?

Ihr möchtet Antworten wissen, welche Antworten das Gesundheitsamt Offenbach zu vergleichbaren Fragen gegeben hat? Dann schaut hier mal nach.

Hattet ihr Erfolg und ein Gesundheitsamt hat geantwortet? Dann teilt gerne Eure Antworten mit uns an . Vielleicht finden wir Best Practices.