* UPDATE 21.08.2020: 

Die Initiative Familie in der Krise möchte bezüglich der Quarantäne- und Isolationsanordnung für mit dem Corona-Virus infiziert Kinder sowie Kinder, die aufgrund von Infektionsfällen in Kindertagesstätten oder Schulen als Erstkontakte gelten, Folgendes ergänzen:

Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung sind unbestimmte Rechtsbegriffe. Sie sind „nicht konkret, sondern abstrakt“ und müssen „durch Auslegung mit Leben gefüllt werden“ (Bathke 2019:6, Die Grundlagen: Kinderschutz, Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung aus rechtlicher und fachlicher Perspektive). Merkmale sind systematische, sich über längeren Zeitraum abspielende psychische, emotionale, physische oder sexuelle Gewaltausübung im sozialen, meist familiären Nahfeld von Kindern. Die Bereitschaft der Sorgeberechtigten zum Wohle des Kindes zu handeln ist nicht gegeben.

Unsere Einordnung als „(akute) Kindeswohlgefährdung“ ist deshalb unpassend und ungeeignet.

Wir schließen uns deshalb stattdessen der Expertise des Deutschen Kinderschutzbundes an, der die Verhaltenstipps für Kinder und Eltern in den Anordnungsschreiben in seiner Pressemitteilung vom 31.07.2020 als „eine Form psychischer Gewalt“ einstuft.

Zudem möchten wir auch auf die Pressemitteilung vom 12.08.2020 (Titel: Häusliche Isolation innerhalb der Familie/Absonderung durch dieGesundheitsämter als zulässige Corona-Schutzmaßnahme? ) der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter hinweisen, die eine rechtlich umfassende Darstellung der Situation und Rechtslage darstellt.


Die Initiative Familien in der Krise stellt sich ausdrücklich gegen die gängige Praxis von Gesundheitsämtern, im Rahmen einer Quarantäne zusätzlich die häusliche Isolation der betroffenen Kinder anzuordnen.

Anlass ist der Fall einer Kita in Dreieich bei Frankfurt, bei dem 60 Kinder und Erzieher in Quarantäne geschickt wurden, nachdem zunächst ein Vater und später auch sein Kind positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden.

In einem Anschreiben des Gesundheitsamtes des Kreises Offenbachs wird von den Eltern explizit verlangt, ihre Kinder zeitlich wie räumlich von den übrigen Haushaltsmitgliedern zu trennen. Die Anordnung ist unabhängig davon, ob sich die Kinder tatsächlich in der Kita mit dem Virus angesteckt haben. Eine Möglichkeit, sich testen zu lassen, wurde nicht eingeräumt, wie Familien in der Krise im Kontakt mit den betroffenen Familien erfahren hat.

„Die Anordnung häuslicher Isolierung stellt für Kinder eine seelische Grausamkeit dar! Wir können nur hoffen, dass dies nicht dem generellen Vorgehen von Gesundheitsämtern entspricht, denn die Anordnung widerspricht dem Grundsatz des Schutzes und der Pflege von Kindern. Vielmehr noch: Aus unserer Sicht stellt diese Handlungsanordnung eine akute Kindeswohlgefährdung Form der psychischen Gewalt dar (geändert 21.08.2020 – siehe Anmerkung * oben) dar.“sagt Diane Siegloch, Gründerin der Initiative Familien in der Krise.

„Bei dem Schreiben des Gesundheitsamtes handelt es sich – wie bei anderen bisherigen Fällen – auch nicht um einen Standard-Brief, der eigentlich an Erwachsene gerichtet ist. Im Gegenteil: Das Schreiben des Gesundheitsamts Offenbach ordnet explizit an, das Kind in einem separaten Raum getrennt von anderen Haushaltsmitgliedern unterzubringen. Auch die Mahlzeiten soll das Kind alleine einnehmen! Wir sprechen hier von Kita-Kindern, die teilweise erst 3, 4 oder 5 Jahre alt sind. ”, so Ulrike Stroh, ebenfalls Gründerin der Initiative und Leiterin der Lokalgruppe Offenbach erklärt. „Zudem werden die Eltern massiv eingeschüchtert, indem ihnen bei Nichteinhaltung der Anordnung eine zwangsweise Absonderung des Kindes in einem Krankenhaus und ein hohes Bußgeld angedroht wird.”

Vor Corona wurde die Isolation von Kindern zweifelsohne als Kindeswohlgefährdung Form der psychischen Gewalt (geändert 21.08.2020 – siehe Anmerkung * oben) eingestuft und hätte einen Besuch des Jugendamts zur Folge gehabt. Nun wird die Aufforderung zu einem solchen Verhalten als Serienbrief an Eltern verschickt – alles unter Maßgabe des Gesundheitsschutzes. Laut Schreiben stehen “die Maßnahmen (…) in ihrer Wirkung auch nicht außer Verhältnis zum beabsichtigen Schutzzweck”. Die psychische Gesundheit der Kinder scheint in Deutschland mittlerweile keine Rolle mehr zu spielen.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Empfehlungen der Behörden z.B. in Dänemark. Dort heißt – sogar in Fällen von Corona positiven Kinder: Fürsorge und Umarmungen sind wichtiger als Abstand halten.

Stellungnahme des Landkreises Offenbach vom 31.07.2020 (Link zum Anklicken)