Persönliche Erfahrungsberichte zum Start ins neue Schul- und KiTa-Jahr

In Bayern hat das neue Schul- und KiTa-Jahr begonnen. Ein Beginn, der ganz im Zeichen von wieder steigenden Infektionszahlen vor allem durch Reiserückkehrer stand. Familien, PädagogInnen und auch Lehrkräfte haben uns von ihren Erfahrungen berichtet. Bei KiTas hat nicht nur die Angst vor erneuten Schließungen, sondern auch die Maskenpflicht für KiTa-Personal und die pädagogische Qualität eine zentrale Rolle gespielt. In manchen KiTas wurden die Eingewöhnungen von neuen Kindern aus pädagogischen Gründen ausgesetzt. In den Erfahrungsberichten zu Schulen zentral ist nicht nur die Maskenpflicht für SchülerInnen ab der 5. Klasse im Unterricht, die ab Stufe 2 regional weiterhin gilt. Auch die (emotionale) Distanz zwischen den SchülerInnen und innerhalb der Schulfamilie und der Bewegungsmangel der Kinder beschäftigen Eltern sehr. Hinzu kommt die Sorge vieler Eltern, dass schon bald regional Stufe 3 ausgerufen werden könnte. Eltern und KiTas fürchten sich in dem Fall vor erneuten Schließungen der Einrichtungen. Schulen müssten zum Wechselmodell zwischen Präsenz- und Distanzunterricht zurückkehren. Eine Situation, die für viele Familien schlicht und einfach nicht mehr zu bewältigen wäre und viele bereits jetzt psychisch extrem belastet.

Kultusminister Piazolo mag mit dem Schulstart “insgesamt zufrieden” gewesen sein. Familien mussten jedoch erleben, dass Einschränkungen bei KiTas und Schulen immer noch an erster Stelle bei Anti-Corona-Maßnahmen stehen. Die Maßnahmen für KiTas und Schulen nehmen somit diejenigen am meisten in die Pflicht, die am wenigsten für das Infektionsgeschehen verantwortlich sind: unsere Kinder. Kinder aus Familien mit weniger finanziellen oder familiären Ressourcen drohen besonders von den 3-Stufen-Plänen benachteiligt zu werden. Denn KiTas und Schulen können ihrer Funktion als Rückzugsort, der emotionale Nähe und Sicherheit bietet, bei den zur Zeit geltenden Hygienemaßnahmen nur noch sehr eingeschränkt nachkommen. Auch Hilfs- und Unterstützungsangebote wie Sprach- oder Frühförderung in Schulen und KiTas finden derzeit gar nicht oder nur sehr eingeschränkt statt. Kinder dürfen nicht weiter nur als Betreuungs- und Beschulungsobjekte gesehen werden. Kinder haben ein Recht auf eine sichere und verlässliche Bildung und eine den Kindern zugewandte pädagogische Betreuung. Sie haben Anspruch auf soziale Kontakte, persönliche Freiheit und individuelle Entfaltung.

Um eine zunehmende Bildungsungerechtigkeit zu vermeiden, sehen wir die folgenden Maßnahmen kurzfristig als effektiven Infektionsschutz an: feste Gruppen, systematische Reihentestungen des KiTa- und Schul-Personals, priorisierte Testauswertungen. Für einen mittelfristig effektiven Infektionsschutz plädieren wir zusätzlich für den Einbau von Luftfiltern, die Anwendung von CO2-Ampeln, den Einsatz zusätzlichen Personals und die Anmietung zusätzlicher Räumlichkeiten. Zudem befürworten wir analog des Vorbilds in Österreich die Verwendung relevanter Bezugsgrößen zur Messung der Inzidenz. Die Maßnahmen sollten darüber hinaus an das Infektionsgeschehen in einer Einrichtung selbst gekoppelt werden.

Im PDF-Dokument zum Download finden Sie die Erfahrungsberichte, die uns in den ersten Wochen erreicht haben. Wir haben die Berichte teilweise gekürzt und anonymisiert.