Die Betreuungskapazitäten der Eltern wurden während der Corona-Pandemie dieses Jahr sowohl durch den Lockdown, als auch durch die noch immer andauernden verkürzten Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtungen (Kitas) und durch Corona-bedingte Personalausfälle bereits über die Maße strapaziert. Urlaubstage und Überstunden sind längst abgebaut und das Verständnis der Arbeitgeber schwindet. In Baden-Württemberg ist der Regelbetrieb in vielen Einrichtungen immer noch nicht wiederhergestellt. Hinzu kommt, dass viele Kinder seit März dieses Jahres gerade einmal 12 Wochen in die Kita gehen durften. Die Kinder waren wochenlang von ihresgleichen isoliert, litten an Bewegungsmangel, Depressionen und dem Mangel an sozialen Kontakten1. Besonders Kinder sind unserer Meinung die Verlierer dieser Krise.  

Daher stimmen wir mit den Gewerkschaften darin überein, dass wir fordern, dass die Rahmenbedingungen für Erzieher:innen verbessert werden müssen.  
Der auch schon vor der Coronakrise bestehende Personalmangel soll behoben und die Arbeitsbelastung vermindert werden. Dies kann beispielsweise durch eine  adäquate Ausbildungsvergütung, ausreichend Ausbildungsangebote für Quereinsteiger, sowie eine attraktive Lohngestaltung erreicht werden. Dafür müssen auch Bildungsinstitutionen ausgebaut werden. Für Erzieher:innen müssen Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen werden, um den Beruf attraktiver zu gestalten. Bundesweit müssen zudem verbesserte einheitliche Personalstandards und einheitliche Qualitätsmaßstäbe an Bildungseinrichtungen geschaffen werden. Streiks werden als probates Mittel der Gewerkschaften angesehen, um diese Ziele zu erreichen. Dennoch sollte die angespannte Situation von Familien und gerade auch von Kindern während der Pandemie berücksichtigt und Streiks in Kitas möglichst vermieden werden. Viele Eltern haben schlichtweg keine Möglichkeiten mehr, ungeplante Schließzeiten abzufangen und werden ihre Kinder wieder im Home-Office neben der Berufstätigkeit betreuen müssen, sofern ihr Beruf und ihr Arbeitgeber die Arbeit im Home-Office überhaupt gestatten. Kindern wird erneut ihr Recht auf Bildung und Teilhabe, sowie das Erleben sozialer Kontakte mit anderen Kindern verwehrt.   

Wir fordern von der Politik, die unbefriedigende Situation der Erzieher:innen und den daraus resultierenden Personalmangel in den frühkindlichen Betreuungseinrichtungen schnellstmöglich zu beenden!  Nehmen Sie die Forderungen der Gewerkschaften bezüglich der pädagogischen Fachkräfte in Kitas ernst und erarbeiten Sie für alle Seiten annehmbare Lösungen! 


Quellen: 

1 COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf:  https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_96962.html