Bei einer 7-Tage-Inzidenz von 16,4 hat heute die baden-württembergische Landesregierung die zweite Stufe des landesweiten Aktionsplans ausgerufen. Zur „Hab-Acht-Stufe“ kommentierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner heutigen Pressekonferenz: „Ich appelliere eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger, sich an die Corona-Regeln zu halten. Es liegt jetzt an uns allen, einen zweiten landesweiten Lockdown zu verhindern – und damit nicht Schulen, Kitas oder Geschäfte erneut flächendeckend schließen zu müssen.

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Die bundesweiten Initiativen „Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ begrüßen ausdrücklich den Appell an die Gesamtbevölkerung zu Aufmerksamkeit und der umsichtigen Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Die gleichzeitige Drohung mit Schließung von Kitas und Schulen ist aus Sicht der Initiativen allerdings nicht hinnehmbar. „Kinder haben in Baden-Württemberg rund ein halbes Jahr auf ihr Recht auf (frühkindliche) Bildung verzichten müssen, bis zum Start des Regelbetriebs unter Pandemiebedingungen an Kitas und Schulen. Dass der Ministerpräsident jetzt damit droht, bei Unvernunft der Allgemeinbevölkerung ausgerechnet wieder Kinder zu beschränken, zeigt absolut falsche Prioritäten und berücksichtigt auch nicht aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse“, so Zarah Abenschön-Sawall, Sprecherin der Initiative in Baden-Württemberg.

Völlig unberücksichtigt bleiben die zahlreichen negativen Auswirkungen der Kita- und Schulschließungen, die Studien zwischenzeitlich gezeigt haben: von wachsender Gewalt gegenüber Kindern, einer Verschlechterung der Chancengerechtigkeit und Auseinandergehen der Bildungsschere bis hin zu einem in einer Studie des ifo Instituts errechneten geringeren lebenslangen Erwerbseinkommen. Zudem werden neben den direkten Auswirkungen auf die Kinder auch Folgen auf die Eltern in Kauf genommen: von erhöhtem Stresslevel, Burn-Out-Gefahr bis hin zu gravierendem Verdienstausfall und Verlust des Arbeitsplatzes.„Wir fordern die Landesregierung daher nachdrücklich auf, absolute Priorität auf eine verlässliche Öffnung der Kitas und Schulen zu legen. Erneute monatelange Schließungen sind für Kinder und Familien nicht mehr leistbar. Wir benötigen auch in Baden-Württemberg dringend eine Bildungs- und Betreuungsgarantie, gerade in Pandemiezeiten“, fordert Zarah Abendschön-Sawall mit Blick auf die Zusage aus Nordrhein-Westfalen.