So geht Lockdown auf bayerisch: der Besuch von Gottesdiensten ist im Berchtesgadener Land weiterhin erlaubt – aber Spielplätze, KiTas und Schulen sind geschlossen. Arbeiten gilt als triftiger Grund die eigene Wohnung zu verlassen – aber in die Schule zu gehen, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, nicht. Einheimische Pendler:innen dürfen den Landkreis im Rahmen ihrer Berufstätigkeit verlassen – aber Schüler:innen, die im Nachbarlandkreis zur Schule gehen, nicht.

Zur Erinnerung: Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter stecken sich nachweislich deutlich weniger mit Covid-19 an. Die Krankheit verläuft leichter und Kinder geben das Virus deutlich seltener weiter als Erwachsene. Dies wurde zuletzt durch das Robert-Koch-Institut, die Corona-Kita-Studie und zahlreiche weitere Studien im In- und Ausland bestätigt. Vergessen scheinen auch all die in den letzten Monaten hinreichend belegten negativen Folgen von KiTa- und Schulschließungen, wie eine wachsende Bildungslücke, zunehmende Chancenungerechtigkeit, das steigende Risiko von psychischen Auffälligkeiten und psychosomatischen Beschwerden bis hin zu steigender Gewalt gegen Kinder im engsten sozialen Umfeld.

Es ist offensichtlich, dass angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen im Berchtesgadener Land kurzfristig gehandelt werden muss. Covid-19 ist eine ernste Erkrankung, eine Überlastung der Krankenhäuser muss vermieden werden. Dafür braucht es wirksame Maßnahmen sowie eine Priorisierung. Und diese hat Ministerpräsident Dr. Markus Söder am 22. September unmissverständlich formuliert: “Schule und KiTa im Vollbetrieb und Wirtschaft zu erhalten ist die Priorität eins. Entsprechendes Freizeitverhalten ist wichtig (…), aber die Priorität liegt eher auf den ersten beiden Bereichen.”

„Dass nun im Berchtesgadener Land die Schließungen von KiTas und Schulen gleichzeitig mit der Schließung von Kinos, Bordellen und Fitness-Studios erfolgen, widerspricht allen vorherigen politischen Versprechen zur Priorisierung von Kindern und Bildung.“, so die Ärztin Elisabeth Englram von der Initiative “Kinder brauchen Kinder”. Und Tobias Oelbaum von der Initiative “Familien in der Krise” ergänzt: “Ministerpräsident Söder muss sich an seinen eigenen Worten messen lassen!”

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