Familien in der Krise zur aktuellen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen

02. November 2020 – Die Initiative Familien in der Krise begrüßt ausdrücklich die aktuelle Entscheidung, Schulen und Kitas geöffnet zu lassen. Gleichzeitig sind die aktuellen Maßnahmen immer noch nicht ausreichend, um Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen langfristig sicherzustellen. Eltern und Kinder brauchen eine Perspektive: Es braucht jetzt dringend umfassende Konzepte.

„Es fühlt sich an, als seien Schulen und Kitas in der Probezeit“, fasst Sina Denecke von der Landesgruppe Niedersachsen der Initiative Familien in der Krise die Stimmung von vielen Eltern zusammen. „Sie werden offen gelassen ohne mit weiteren, konkreten Maßnahmen, Präsenzunterricht und somit Bildung langfristig sicherzustellen. Das reicht nicht! Eltern und Kinder brauchen mehr Sicherheit.“

Viele Familien sind bereits an ihrer Belastungsgrenze

Die Initiative Familien in der Krise bemängelt, dass durch die Überarbeitung der Corona-Verordnung lediglich die Rahmenbedingungen angepasst wurden, wann welches Szenario eintritt. Inhaltlich gibt es keine Verbesserung für das Recht auf Bildung und Teilhabe. Dass ab einem lokalen Inzidenzwert von 100 nur in Kombination mit einem positiv getesteten Fall Bildungseinrichtungen geschlossen werden, hat über das Wochenende für viel Verwirrung gesorgt. Schulen haben Eltern bereits über die Umstellung auf Szenario B (Wechselmodell) informiert, obwohl es keinen positiven Fall gab. Gleichzeitig werden nun ganze Einrichtungen mit mehreren hundert Schülern aufgrund eines einzigen positiven Falls geschlossen, weil das Kohortenprinzip außer Kraft gesetzt ist. Das bringt für viele Familien, die seit Monaten ohnehin an ihrer Belastungsgrenze sind, große Schwierigkeiten mit sich.

„Bei dem Vorgehen ist es eine Frage der Zeit, bis ein Großteil der Schulen im Wechselmodell sind. Das Kultusministerium setzt hier selbstverständlich wieder auf die Unterstützung der Familien“, so Sina Denecke. „Wir sagen: Home Schooling ist für die meisten Familien nicht leistbar. Es fehlen die Ressourcen dafür, nicht alle Eltern können Home Office machen und selbst die, die es können: Von zu Hause arbeiten und nebenbei Kleinkinder zu betreuen oder größere Kinder zu beschulen, ist nicht machbar. In den vergangenen Monaten ist sehr deutlich geworden sein, dass Bildung außerhalb der Schule nicht aufgefangen werden kann.“ Hinzu kommt: Viele Menschen haben in Krisenzeiten ohnehin Angst um ihren Job. Wenn Eltern jetzt auch noch von ihrem Arbeitgeber als unzuverlässig wahrgenommen werden, weil die Betreuung der Kinder nicht gesichert ist, bringt das in vielen Familien Existenzängste mit sich.

Lösungen finden mit Experten und Familien

Die Fallzahlen sind wie erwartet gestiegen, das Schuljahr ist bereits weit fortgeschritten und immer noch gibt es keine belastbaren Konzepte für den Bereich Bildung. Die Initiative Familien in der Krise fordert, dass Experten aller relevanten Disziplinen an einen Tisch geholt werden, um kreative und umfassende Lösungen zu finden. Dazu zählen nicht nur Virologen, sondern auch Kinderärzte, Psychologen, Logopäden, Schulen, Pädagogen oder Digitalisierungsexperten und nicht zuletzt die Beteiligten selbst: Kinder, Jugendliche und deren Eltern.

Einer der vielen Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt, ist, dass das Alter der Schüler beim Fernunterricht eine große Rolle spielt. Jüngere Kinder haben teils große Schwierigkeiten beim Fernunterricht und brauchen mehr Unterstützung als beispielsweise die Oberstufe eines Gymnasiums. Darüber hinaus müssen Schulen und Lehrer bei der Umsetzung der erarbeiteten Konzepte unterstützt werden, sowohl finanziell als auch organisatorisch – ohne die Last auf die Familien abzuwälzen.

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Familien in der Krise – wer sind wir?    

Familien in der Krise eine bundesweite überparteiliche Initiative von Eltern, die sich in der Corona-Krise für die Rechte von Kindern und Familien einsetzt.  Durch zahlreiche Demonstrationen, Petitionen, Statements sowie Aktionen konnten wir auf die besondere Situation von Familien und Kindern aufmerksam machen. Daraus resultierten zahlreiche Gespräche mit führenden Politiker*innen aus Bundes- und Landespolitik sowie ein breites Medienecho. Aktuell ist Familien in der Krise in acht Bundesländern vertreten (Hessen, NRW, Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin und Niedersachsen, Schleswig-Holstein). Wir verfolgen das Ziel, Familien und Kinder in der Corona-Krise und darüber hinaus das Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. 

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