Die bundesweiten Initiativen „Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ begrüßen den Vorstoß von Kulturministerin Dr. Susanne Eisenmann, SARS-CoV-2- Antigen-Schnelltests in Schulen und Kitas einzusetzen, um hier Ausbruchsgeschehen schneller identifizieren zu können. Durch die Schnelltests könnten „betroffene Einrichtungen oder Gruppen schnell getestet, auch Infizierte ohne nennenswerte Symptome zügig identifiziert und isoliert und unsere Kinder, Jugendlichen und Beschäftigten so vor einer Ausbreitung des Virus geschützt werden“, sagte Eisenmann der Presse (1). Ein solches Vorgehen bei Ausbrüchen ist im Rahmen der aktuellen nationalen Teststrategie (2) bereits möglich. 

Selbstverständlich schließen wir uns der Meinung von Minister Lucha an, dass bei momentan noch begrenzter Verfügbarkeit der Antigen-Schnelltests der Schutz der vulnerablen Gruppen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Vorrang haben sollte. Wir geben jedoch zu bedenken, dass bereits jetzt vorausschauend agiert werden muss. Die Verfügbarkeit der Schnelltests wird und muss zunehmen. Daher sollten bereits jetzt sinnvolle zukünftige Testkonzepte für Schulen und Kitas vorgedacht werden. Zudem muss eine Klärung der Finanzierung und Zurverfügungstellung der benötigten Mittel durch Kultus- und Gesundheitsministerium erfolgen.

Bei aktuell steigender Inzidenz und hohen Fallzahlen kann es immer häufiger zu Eintragungen des Virus in Schulen und Kitas kommen. Dies hat zur Folge, dass zunehmend Schulklassen/Kita-Gruppen unter Quarantäne gestellt werden. Quarantäne bedeutet besonders für Kinder eine massive psychische Belastung (3). Diese Situation könnte durch gezielte Teststrategien mittels Schnelltests verbessert werden. Antigen-Schnelltests sind einfach anwendbar, günstig und können innerhalb von ca. 15 Minuten recht zuverlässig eine Person als akut infektiös identifizieren, die sich somit sofort in Selbstisolation begeben kann, um ggf. auf eine Bestätigung mittels PCR zu warten. Wissenschaftliche Studien (4, 5, 6, 7) legen nahe, dass regelmäßige (idealerweise 2x wöchentlich) proaktive Testungen mittels Antigen-Schnelltests maßgeblich zur früheren Entdeckung ansteckender (infektiöser) Personen führen – noch bevor sie ggf. Symptome zeigen. Somit könnten Eintragungen des Virus in Schulen und Kitas vermieden oder sehr frühzeitig entdeckt und daraus resultierende Quarantänen vermindert werden. 

Wir regen daher an, zusätzlich zur Nutzung von Antigen-Schnelltests bei Ausbruchsgeschehen, perspektivisch Lehrer:innen und Erzieher:innen, regelmäßige freiwillige proaktive Antigen-Schnelltests zu ermöglichen. Bereits jetzt beginnen die ersten Bildungsträger in Baden-Württemberg damit, regelmäßige Antigen-Schnelltests für Lehrer:innen und Schüler:innen anzubieten (8). „Ein gut durchdachtes Testkonzept kann zusätzlich zu den üblichen Hygienemaßnahmen, maximale Sicherheit für Schulen und Kitas bieten und einen zuverlässigen Präsenzunterricht und frühkindliche Bildung unter Pandemiebedingungen ermöglichen“, so die Ärztin Dr. Aline Ekkernkamp und Frau Dr. Ellen Bruske von „Familien in der Krise“. Im Vergleich zur bisher angebotenen 3-maligen unregelmäßigen PCR-Testung für Lehrer:innen, bieten regelmäßige Schnelltests nicht nur eine höhere Sicherheit (4), sondern sind zudem deutlich kosteneffizienter. Bei einem bisherigen Stückpreis von ca. 7-10€/Antigentest im Vergleich zu ca. 50€/PCR (Erstattungspreis), könnte, anstatt drei PCRs zu nutzen, jede Lehrer:in fast vier Monate lang wöchentlich oder zwei Monate lang zwei Mal pro Woche getestet werden.

Momentan müssen viele der verfügbaren Antigen-Schnelltests, aufgrund gesetzlicher Richtlinien und des tiefen Nasen-Rachen-Abstrichs, noch von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Neuere Studien zeigen jedoch, dass ein selbst durchgeführter Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich ähnlich zuverlässig ist, wie ein professioneller Abstrich (9). Zukünftig könnte so sogar, nach einer ärztlichen Einweisung, ein Selbstabstrich von den Lehrer:innen durchgeführt werden. Solche Selbsttests werden bereits im Rahmen der “Safe-School Studie” des Hessischen Kultusministeriums erprobt  (10) und könnten auch in Baden-Württemberg an Modellschulen und -kitas beispielsweise in Regionen mit hoher Inzidenz eingesetzt werden. 

Perspektivisch sollte zudem über eine Ausdehnung freiwilliger Tests auf ältere Schüler:innen diskutiert werden. Solche Modelle regelmäßiger Testungen, auch von Schüler:innen sind, mittels PCR, bereits seit langem erfolgreich im Einsatz (11). 

Mit Hilfe von Antigen-Schnelltests können regelmäßige freiwillige Tests bald Alltag von vielen Schüler:innen, Lehrer:innen und Erzieher:innen werden und einen erheblichen Beitrag dazu leisten, einen zuverlässigen Präsenzunterricht und frühkindliche Bildung zu ermöglichen.


Quellen:

  1. https://www.zeit.de/news/2020-10/31/eisenmann-moechte-corona-schnelltests-an-schulen-und-kitas
  2. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Nationale_Teststrategie_Grafik_131020.pdf
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7372688/pdf/PJMS-36-1106.pdf
  4. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2768923
  5. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.10.11.20211011v2
  6. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.10.20.20216267v1
  7. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.22.20136309v3.article-info
  8. https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-erster-bildungsanbieter-hat-corona-antigen-schnelltests-_arid,571569.html
  9. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.10.26.20219600v1
  10. https://static1.squarespace.com/static/5f36af4ed392a00714e166ef/t/5f5f5e87caafb27f4400c1dd/1600085639357/2020_09_14_PM+Antigen-Schnelltest.pdf
  11. https://www.centogene.com/company/article/blaupause-fuer-die-bundesrepublik-centogene-ermoeglicht-coronavirus-tests-am-gymnasium-neustrelitz.html