Entgegen aller Versprechungen sind nun doch flächendeckende Schließungen von Bildungseinrichtungen möglich. Eltern werden von Schulen und Kitas regelrecht bedrängt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Die Initiativen “Familien in der Krise” und “Kinder brauchen Kinder” appellieren an alle Verantwortlichen, die Situation von Familien und Kindern nicht aus den Augen zu verlieren und fordern, dass die Schließungen nicht über den 10. Januar hinaus gehen dürfen.

Das Infektionsgeschehen macht weitere Einschränkungen unausweichlich. „Wir unterstützen, dass alle einen angemessenen Beitrag im Kampf gegen CoViD-19 leisten müssen. Aber es muss klar gesagt werden, dass viele Kinder und Familien nach diesem Jahr am Ende ihrer Ressourcen sind“, macht Sina Denecke von „Familien in der Krise“ klar. „Der Anfang der Woche hat gezeigt, dass die große Mehrheit Eltern ihre Kinder trotz der Möglichkeit zu freiwilligem Home Schooling weiter in die Schule geschickt haben. Viele Eltern berichten uns nun, dass sie von Schulen und Kitas unter Druck gesetzt werden, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Familien fürchten sich vor einer Wiederholung des ersten Lockdown aus dem Frühjahr mit monatelangen Schließungen von Schulen und Kitas.” Die Familieninitiativen fordern daher, dass der Bildungsbetrieb am 11. Januar nächsten Jahres zuverlässig und vollumfänglich wieder aufgenommen wird.

Studien belegen: Bildungseinrichtungen sind keine Treiber der Pandemie

Das kurzzeitige Aussetzen der Präsenzpflicht kann Kontakte reduzieren und ist ein guter Weg, besonders gefährdeten Familien die Möglichkeit zu geben, auf ihre individuelle Situation einzugehen. Damit leisten Familien und Kinder einen solidarischen Beitrag zur Senkung der Neuinfektionen in der Gesamtbevölkerung. Entgegen vieler Behauptungen und Ängste: Schulen und Kitas sind keine Treiber der Pandemie. Die Hygienepläne funktionieren. „Die Politik muss endlich die von ihnen selbst in Auftrag gegebenen Studien[1] nutzen” so Sina Denecke von „Familien in der Krise“. Diese weisen darauf hin, dass das Infektionsrisiko in den Einrichtungen nur sehr gering ist. Länder wie Irland oder Frankreich zeigen, dass die Infektionszahlen auch bei offenen Bildungseinrichtungen im Präsenzbetrieb erheblich gesenkt werden können.

Schließungen dürfen nicht verlängert werden

Klar ist für die Initiativen daher, dass das Aussetzen der Präsenzpflicht eine zeitlich begrenzte Maßnahme bleiben muss. „Die Befürchtung zahlreicher Eltern, eine Verzögerungstaktik über mehrere Monate wie im Frühjahr und Sommer zu erleben, ist riesig“, erklärt Sina Denecke von „Familien in der Krise”. „Keinesfalls dürfen Maßnahmen an Kitas und Schulen über den 10. Januar hinaus verlängert werden.” Familien müssen sich darauf verlassen können, dass nach vier Wochen verschärfter Maßnahmen wieder ein umfänglicher Betrieb in den Bildungseinrichtungen stattfindet und das Kinderrechte auf Bildung und Teilhabe sichergestellt wird.

„Schulen und Kitas sind für die Kinder und ihre Entwicklung immens wichtig. Sie sind nicht nur Lern-, sondern auch Lebensort. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Gerade für sie bedeuten die Maßnahmen daher eine enorme Belastung”, begründet Sina Denecke. „Hinzu kommt: Home Office und gleichzeitig Home Schooling oder Kinderbetreuung ist einfach nicht möglich. Und bei Weitem nicht alle Eltern können überhaupt Home Office machen.”

Initiativen fordern Aufklärung und langfristige Konzepte für Bildungsbetrieb

Die kommenden vier Wochen müssen von den Verantwortlichen genutzt werden, um Konzepte für die Wiederaufnahme des vollständigen Schulbetriebs flächendeckend umzusetzen. Dazu sollte nach Ansicht der Familieninitiativen eine Schnelltest-Strategie an Schulen und Kitas zählen. Bildungseinrichtungen müssten zudem bei der Umsetzung der Verordnungen stärker unterstützt werden, um Unsicherheiten entgegenzuwirken und das Personal zu entlasten. Die Familieninitiativen erwarten zudem von der Politik, dass sie Ängste in den Bildungseinrichtungen sowie in der Gesamtbevölkerung vor Kindern als „Virenschleudern“ abbauen, indem sie transparent die Infektionszahlen offenlegen und wissenschaftliche Erkenntnisse stärker kommunizieren.

Eine Situation wie im Frühjahr diesen Jahres, als Schulen und Kitas erst lange nach dem Einzelhandel und Freizeit- und Vergnügungseinrichtungen wieder ganz geöffnet wurden, darf sich nicht wiederholen. Bildung ist nicht nur ein Grundrecht, es ist auch die Pflicht der Politik, diese für alle Kinder und Jugendlichen im gleichen Maße chancengerecht sicherzustellen.

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[1] Corona-Kita-Studie vom Robert Koch-Institut und dem Deutschen Jugendinstitut sowie Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (u.a.)