21. Dezember 2020 – Familien haben Angst vor langfristigen KiTa- und Schulschließungen. Bildungsverlust, zunehmende Gewalt oder Essstörungen: Die negativen Folgen für Kinder und Jugendliche sind teils gravierend, Eltern vielerorts am Rand der Belastungsgrenze. Die Initiativen “Familien in der Krise” und “Kinder brauchen Kinder” setzen sich unter anderem mit einer Petition für die verlässliche Öffnung von Schulen und KiTas ab dem 11. Januar ein.

“Noch so eine ausgedehnte Schließzeit wie im Frühjahr würden wir einfach nicht schaffen. Dieses Jahr hat uns total ausgelaugt”, das ist der Tenor in zahlreichen Zuschriften, die aktuell die beiden Initiativen “Familien in der Krise” und “Kinder brauchen Kinder” erreichen. Die Sorge, dass die Maßnahmen über den 10. Januar hinaus verlängert werden – wie bereits von mehreren Politikern angekündigt – ist daher groß. 

Vermehrt psychische und physische Probleme bei Kindern und Jugendlichen

Schulen und KiTas sind nicht nur Lern- sondern auch Lebensort. Mittlerweile gibt es zahlreiche Untersuchungen, die die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche aufzeigen, darunter auch physische und psychische Probleme wie Depressionen, Übergewicht oder Essstörungen.. Der Kontakt zu Bezugspersonen in KiTa und Schule hilft Kindern und Jugendlichen, mit der Situation zurechtzukommen.

Akut gefährlich wird die Situation für Kinder aus schwierigen Verhältnissen, deren Eltern mit der derzeitigen Situation komplett überfordert sind und beispielsweise gewalttätig werden. Für sie geht mit den Schließungen auch ein notwendiger Schutzraum verloren. Die Lehrerin @FrauFäbser schreibt dazu auf Twitter: 

“Die Tweets von @frauasha haben mich darauf gebracht, mit meinen Schülern einen Notfallcode zu vereinbaren. In jeder Klasse sitzt, statistisch gesehen, mindestens ein Kind, das von irgendeiner Form von Gewalt betroffen ist. Wenn es Zuhause im #lockdown nicht mehr geht, sollen sie mich nach der „Lösung für Aufgabe 13“ fragen. Das werde ich morgen mit ihnen besprechen. Wir Lehrer sind oft der einzige Kontakt , den die Schüler nach Außen haben. Und bei einer Nummer gegen Kummer kann man schlecht anrufen, wenn der Täter/ die Täterin daneben sitzt.”

Schichtarbeit statt Notbetreuung

Auch Familien ohne solch schwerwiegende Probleme sind in großer Sorge, sollten die Schliessungen im Januar und Februar weiter fortgesetzt werden. Nach wie vor ist Homeoffice und gleichzeitiges Homeschooling nicht zu vereinbaren. Und flächendeckender Distanzunterricht funktioniert an zu vielen Schulen immer noch nicht ausreichend. Zwar gab es in den Tagen vor Weihnachten eine Notbetreuung – unabhängig von der Systemrelevanz – für Familien, die sich nicht anderweitig organisieren konnten. Aber unter anderem in Baden-Württemberg, gab es die Notbetreuung stellenweise nur gegen schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers. Hier wiederum weigerten sich einige mit dem Hinweis man könne in Schichten arbeiten. 

“Wir unterstützen natürlich den aktuellen Lockdown, um die dramatischen Zahlen weiter runterzubringen. Uns ist auch bewusst, dass die Pandemie nicht nur Familien viel abverlangt. Aber wir Eltern fühlen uns erneut völlig allein gelassen bei der Bewältigung der Probleme, die die aktuellen Maßnahmen mit sich bringen”, berichtet Stephanie Schläfer von “Kinder brauchen Kinder”. 

Familieninitiativen starten Petition

“Untersuchungen u.a. des RKI zeigen, dass Schulen und KiTas keine Treiber der Pandemie sind. Dennoch liegt der Fokus noch immer sehr auf den Maßnahmen an Kitas und Schulen. Obwohl Länder wie Irland oder Frankreich zeigen wie es auch gehen kann: Dort konnten die Infektionszahlen auch bei offenen Bildungseinrichtungen im Präsenzbetrieb erheblich gesenkt werden.”, so Diane Siegloch von Familien in der Krise. 

Deswegen fordern die beiden Initiativen die Schließzeit dringend zu nutzen, um weitere Schutzmaßnahmen umzusetzen, die in Bildungseinrichtungen einen größtmöglichen, kindgerechten Gesundheitsschutz garantieren. Die Initiativen setzen sich für eine verlässliche Öffnung der KiTas und Schulen ein und haben u.a. eine Petition aufgesetzt, in der sie fundiert argumentieren, warum es auch in Pandemiezeiten eine Bildungs- und Betreuungsgarantie geben muss. Bereits wenige Tage nach Veröffentlichung haben rund 4.500 Unterstützer:innen unterschrieben. Kinder sind die Zukunft dieses Landes und sie brauchen allen Schutz und alle Bildung, die wir ihnen geben können. Es ist die Pflicht der Politik und der ganzen Gesellschaft, ihnen dieses zu garantieren.

Über „Kinder brauchen Kinder“ und „Familien in der Krise“ 

„Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ sind zwei bundesweit aktive Initiativen, die sich im Zuge der Corona-Krise gegründet haben. Unser Ziel ist es, auf die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise und darüber hinaus aufmerksam zu machen und sie ins Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. Wir haben bereits zahlreiche Gespräche mit führenden Politiker:innen aus Bundes- und Landespolitik geführt sowie ein umfassendes Medienecho auf unsere Aktionen erzeugt.