Die Initiativen “Familien in der Krise” und “Kinder brauchen Kinder” sind
fassungslos angesichts der Beschlüsse der Politik vom 5. Januar. “Die Befürchtungen vieler Familien sind nicht nur wahr geworden, sondern sogar noch übertroffen worden”, so Stephanie Schläfer von “Kinder brauchen Kinder”.

Neben den Schließungen von KiTas und Schulen sind auch die Kontaktbeschränkungen ausgeweitet worden, sodass kleinere Kinder keine sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen mehr pflegen können, da sie die Begleitung ihrer Eltern brauchen. “Das zeigt erneut, dass die Rechte und Bedürfnisse von Kindern bei den Entscheidungen keine Rolle spielen“, so Stephanie Schläfer weiter. Eine Tatsache, die bereits nach dem ersten Lockdown von Experten kritisiert wurde.1 Wir fordern deshalb, Kinder unter 14 Jahren, sowie ältere Kinder die auf ständige Betreuung angewiesen sind, von den aktuellen Kontaktbeschränkungen auszunehmen.

Die zahlreichen negativen Folgen der Schließungen aus dem Frühjahr scheinen dabei genauso schnell vergessen wie die politischen Beteuerungen im Herbst, dass Kinder nicht die Verlierer der Pandemie werden dürften. Denn nicht nur Eltern sind in Sorge: Studien belegen, dass die negativen psychischen und physischen Folgen von Schließungen für Kinder teils fatal
sind. Der Bildungsverlust hat negative Auswirkungen, der aktuell Familien mit weniger Ressourcen besonders hart trifft, aber auch Langzeitfolgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat.

Eine Frage der Prioritäten – Bildung zuerst!
„Es ist eine Frage der Prioritäten. Wir erwarten von der Politik, endlich den vielschichtigen Wert von Bildung anzuerkennen und dementsprechend zu priorisieren“, erklärt Zarah Abendschön-Sawall von Familien in der Krise. “Das lässt sich übrigens auch in Zahlen abbilden: Im Rahmen der finanziellen Corona-Maßnahmen wurden lediglich 0,6% dessen in
den Bildungsbereich gegeben, was der Bund in die freie Wirtschaft investiert hat2.”

Kinder und ihre Familien brauchen keine zusätzlichen Kindkranktage, sondern Bildung und Teilhabe, an sicheren Orten. KiTa und Schule, mindestens für die unteren Jahrgangsstufen ist in Präsenz auch jetzt möglich, wenn man die wissenschaftliche Faktenlage betrachtet.
Demnach tragen Schulen und Kitas nur einen geringen Anteil am allgemeinen Ausbruchsgeschehen3, der aktuelle Report von WHO, ECDC und CDC sieht nur eine geringe Gefährdung für Kinder und Jugendliche und pädagogisches Personal4.

Wir begrüßen daher die Ankündigungen von MP Kretschmann, trotz des verschärften Corona- Lockdowns Kitas und Grundschulen eventuell vom 18.01.2021 an wieder zu öffnen. Wir weisen aber auch darauf hin, dass auch ältere Kinder und Jugendliche dringend wieder mindestens anteilig in den Präsenzunterricht gehen können sollten. Dies könnte über eine sofortige Einführung des Wechselbetriebs auch vor dem 31.01.2021 erfolgen. Die Initiativen fordern, Entscheidungen endlich anhand von wissenschaftlichen Daten zu fällen und schließen sich damit u.a. der Stellungnahme Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie5 an.

Weitere Infektionsschutzmaßnahmen für Bildungseinrichtungen sind nötig
“Es sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft um Schulen und KiTas für die Pandemie sicher zu machen. Immer noch fehlt eine Schnelltest-Strategie6. Über die Nutzung von zusätzlichen Räumlichkeiten oder den flächendeckenden Einsatz von Lehramtsstudenten wird erst gar nicht geredet. Schulen werden mit der Umsetzung der Verordnung komplett allein gelassen”, beschreibt Zarah Abendschön-Sawall die Situation und appelliert: “Wir brauchen endlich Konzepte, die den Bildungsbetrieb durch guten Infektionsschutz langfristig
sicherstellen. Wir dürfen die Kinder nicht zu den Verlierern der Pandemie werden lassen!”

Über „Kinder brauchen Kinder“ und „Familien in der Krise“
„Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ sind zwei bundesweit aktive Initiativen, die sich im Zuge der Corona-Krise gegründet haben. Unser Ziel ist es, auf die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise und darüber hinaus aufmerksam zu machen und sie ins Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. Wir haben bereits zahlreiche Gespräche mit führenden Politiker:innen aus Bundes- und Landespolitik geführt sowie ein umfassendes Medienecho auf unsere Aktionen erzeu


Quellen:
1 Experten der Kinderkommission des Deutschen Bundestages kritisieren massive Beschränkung der
Kinderrechte während der Pandemie; Liveblog zum Coronavirus: ++ Kinderschutzbund kritisiert
Kontaktregeln ++ | tagesschau.de
2 Pressemitteilung: Ein Sparschweinchen für Bildung und Geldspeicher für die Wirtschaft
3 Corona KiTa-Studie des RKI
4 ECDC: COVID-19 in children and the role of school settings in transmission
5 https://dgpi.de/stellungnahme-dgpi-dgkh-rolle-von-schulen-kitas-in-der-covid-19-pandemie/
6 Pressemitteilung: Teststrategie für Schulen