Seit dem 16. Dezember sind Kitas und Schulen auch in Baden-Württemberg geschlossen bzw. in Notbetreuung und im Distanzunterricht. Heute wurde eine Verlängerung bis Ende Januar beschlossen. Gleichzeitig kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann an, sich bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen für eine Öffnung der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen einzusetzen. „Denn gerade hier bei den Kleinsten drohen die sozialen Schäden den pandemischen Nutzen zu übersteigen“, so Winfried Kretschmann.1

Trotz massiver negativer Auswirkungen bleiben Bildungseinrichtungen geschlossen! „Wir begrüßen es, dass die Landesregierung die besonderen Belastungen der Kinder und Familien wahrnimmt und anerkennt, dass sie einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten, obwohl vor allem die Jüngeren kaum schwer erkranken und sich seltener anstecken“, so Zarah Abendschön-Sawall von der Initiative „Familien in der Krise“.

„Warum aus dieser Erkenntnis aber nicht endlich Taten folgen, nämlich die Öffnung von Kitas und Grundschulen, ist uns schleierhaft.“ Die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Ergebnisse der fortlaufenden Corona Kita Studie sind bekannt, die Entwicklung der Inzidenzen der jüngeren Altersgruppen sind laut RKI-Zahlen bereits seit KW51, also noch vor Weihnachten, sinkend und unter dem Schnitt der allgemeinen Bevölkerung. Studien zu den enormen negativen Folgen, Bildungsverlust, Chancenungerechtigkeit bis hin zur Gefährdung des Kindeswohls sind ebenfalls bekannt. Aus diesem Grund sind viele Familien enttäuscht, dass erneut das Recht der Kinder auf Bildung, soziale Entwicklung und Teilhabe ignoriert werden.

Nicht ob wir öffnen, sondern wie, zeigt ob Bildung Priorität hat!

Wir teilen die Erkenntnis des Ministerpräsidenten, dass die sozialen Schäden den pandemischen Nutzen übersteigen und auch, dass „Kinder und Familien eine belastbare und baldige Perspektive brauchen“ und eine Gewichtung der Maßnahmen in der Pandemiebekämpfung notwendig ist (Aussage Winfried Kretschmann). „Das Recht auf Bildung muss Priorität haben“, so Zarah Abendschön-Sawall. „Dass wir im Gegensatz zu anderen Ländern2 immer noch über die Frage diskutieren, ob Bildungseinrichtung öffnen und nicht wie, ist ein Offenbarungseid unserer gesellschaftlichen Prioritäten. Nicht einmal ein Wechselunterricht ist vorgesehen. „Dass erst heute angekündigt wird, Schritte für eine Öffnung vorzubereiten, ist absolut fahrlässig und eine weitere enorme Enttäuschung für Familien“, so Zarah Abendschön-Sawall. Dieser Fehler darf sich bei weiterführenden Schulen nicht wiederholen: Hier müssen ebenfalls jetzt die Weichen gestellt werden für eine schnellstmögliche Öffnung mit beispielsweise erweiterten Räumlichkeiten, zusätzlichem Personal, gezieltem Einsatz von Schnelltests3 und der Entzerrung des Schülertransports. Die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen muss uns entsprechende Investitionen wert sein.

Über „Kinder brauchen Kinder“ und „Familien in der Krise“
„Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ sind zwei bundesweit aktive Initiativen, die sich im Zuge der Corona-Krise gegründet haben. Unser Ziel ist es, auf die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise und darüber hinaus aufmerksam zu machen und sie ins Zentrum politischer Entscheidungen zu rücken. Wir haben bereits zahlreiche Gespräche mit führenden Politiker:innen aus Bundes- und Landespolitik geführt sowie ein umfassendes Medienecho auf unsere Aktionen erzeugt.

Quellen:
1 Pressekonferenz vom 14.01.2021: https://youtu.be/18hJbQ1i8l8
2 Testoffensive an Österreichs Schulen und Kitas:
https://www.derstandard.at/story/2000123162771/fuenf-millionen-corona-selbsttests-fuer-die-schulenund-kindergaerten
Priorität für Bildung in Frankreich: https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-schule-corona-101.html
3 Eine Strategie zu Schnelltests an Schulen finden Sie hier: Keine Bildung im Blindflug! – Familien in der Krise