19.02.2021 –  In vielen Bundesländern sind KiTas bereits geöffnet oder die Öffnung ist fest geplant, entweder für kommenden Montag oder den 1. März. Nur vier von 16 Bundesländern bieten den Kleinsten in unserer Gesellschaft immer noch keine Perspektive: Niedersachsen ist eines davon – entgegen aller Versprechen der Politik. Dabei haben die andauernden Schließungen dramatische Folgen. Eltern haben eine Petition für die Öffnung der KiTas in Niedersachsen gestartet.

Kein Kind muss und darf zurückgelassen werden in dieser schwierigen Zeit[1], sagte Kultusminister Tonne noch Anfang Januar. Und dennoch sind die meisten KiTa-Kinder bereits seit zwei Monaten zu Hause – ohne die Aussicht auf ein Ende der Notbetreuung. Entgegen aller Versprechen, Bildung zu priorisieren, sind die ersten Geschäfte bereits wieder geöffnet, KiTas sind jedoch immer noch in Szenario C. Die Entscheider:innen halten Kinder und ihre Eltern weiterhin hin – mit der vagen Aussage, KiTas würden “ab März” wieder öffnen. Ob Anfang oder Ende März bleibt offen.

Eltern stark belastet, Kinder leiden

“Damit gehört Niedersachen wie im ersten Lockdown bundesweit[2] zu den Schlusslichtern bei der Berücksichtigung der Rechte und Bedürfnisse von Kindern. Die schwierige Situation von Familien und Kindern wird weiterhin nicht ernst genommen”, so Christine Heymann-Splinter von der Landeselternvertretung der niedersächsischen Kindertagesstätten e.V. (Kita LEV NDS). “Dabei zeigt unsere Umfrage, dass die Belastung der Eltern sehr hoch ist und die Kinder unter den Kontaktbeschränkungen stark leiden.”

Andere Untersuchungen bestätigen die Umfrage der KiTa LEV Niedersachsen. Laut Copsy Studie[3] des UKE hat sich die Lebensqualität und psychische Gesundheit von Kindern weiter verschlechtert: Fast jedes dritte Kind leidet demnach inzwischen unter psychischen Auffälligkeiten.

KiTas sind Orte des Lebens und des Lernens

Auch Initiative Familien (Familien in der Krise[4]) zeigt sich entsetzt über die Behandlung der Kleinsten: “KiTas sind ja nicht nur Orte der Betreuung, damit Eltern arbeiten gehen können. In dem Alter ist die KiTa das wichtigste soziale Umfeld für Kinder. Sie brauchen den Kontakt zu Gleichaltrigen – zum Spielen und für ihre Entwicklung. Nicht umsonst sprechen wir hier von frühkindlicher Bildung”, erklärt Sina Denecke.

Besonders stark betroffen von den Schließungen sind Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund[5]. Im schlimmsten Fall geht mit dem Wegfall des KiTa-Besuchs auch ein wichtiger Schutzraum für die Kinder verloren, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Dabei führen aktuelle Probleme durch Corona-Krise wie Jobverlust der Eltern oder Kurzarbeit, akute finanzielle Sorgen und Quarantäne noch eher zu Gewalt gegen Kinder[6].

Petition: Eltern fordern Öffnung von KiTas

Die Kita LEV NDS und Initiative Familien haben eine Petition[7] gestartet, in der sie die Öffnung der KiTas in Niedersachsen fordern. Innerhalb weniger Tage haben 3.500 Unterstützer unterschrieben. Gerade kleinere Kinder sind weitaus weniger von Corona betroffen, KiTas spielen nur eine nachgeordnete Rolle im Infektionsgeschehen, wie die Corona-KiTa-Studie des RKI[8] zeigt. Sowohl die Kita LEV NDS als auch Initiative Familien appellieren daher gemeinsam an die Verantwortlichen, die Verantwortung für die Kleinsten in unserer Gesellschaft zu übernehmen. Es darf nicht sein, dass die Kinder am meisten eingeschränkt werden und weiterhin die Hauptlast der Pandemie tragen.


[1] Niedersächsisches Kultusministerium: Konzept für Bildung und Betreuung im Lockdown

[2] Siehe Grafik

[3] Copsy-Studie des Universitätsklinikums Eppendorf

[4] Die Initiativen “Familien in der Krise” und “Kinder brauchen Kinder” bündeln ihre Kräfte und gründen gemeinsam den bundesweiten Verein “Initiative Familien”.

[5] Copsy-Studie des Universitätsklinikums Eppendorf

[6] Gewalt gegen Kinder während der Pandemie (Statista)

[7] Petition: KiTas jetzt inzidenzbasiert in Niedersachsen öffnen!

[8] Corona KiTa-Studie