Niedersachsens Kultusminister Tonne hat in seiner 10-Punkte-Agenda ein freiwilliges Testangebot für Personal an Schulen und Kitas bis zu den Osterferien verkündet. Richtig ist: Ein gutes Testkonzept senkt in Ergänzung zu den bereits bestehenden, umfangreichen Hygienemaßnahmen das Infektionsrisiko und macht den Präsenzbetrieb sicherer. Aber: Das Testangebot von Herrn Tonne reicht nicht zur Pandemiebekämpfung aus. „Initiative Familien“ fordert ein durchdachtes, langfristiges Testkonzept, wie bspw. vom wissenschaftlichen Thinktank Rapidtests.de kürzlich vorgestellt, mit dem Schulen und Kitas endlich wieder öffnen können.

Nach zweieinhalb Monaten sind KiTas immer noch in der Notbetreuung, lediglich Grundschulen und Abschlussklassen sind geöffnet, und das auch nur im Wechselmodell. Auch wenn das RKI das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas nach ausführlicher Datenanalyse zuletzt als moderat bis niedrig bezeichnet hatte, könnte damit Präsenzbetrieb in Schulen und Kitas auch in Niedersachsen noch sicherer gemacht und endlich ermöglicht werden.

Tonnes „Testangebot“ nicht ausreichend für Pandemiebekämpfung

“Wir begrüßen es, dass auch in Niedersachsen endlich vermehrt auf Tests gesetzt wird, um das Infektionsrisiko zu senken. Aber statt mit Hilfe von Schnelltests endlich Bildung und soziale Teilhabe für Kinder zu ermöglichen, fährt Herr Tonne mit seinem Testangebot mit angezogener Handbremse”, zeigt sich Sina Denecke von “Initiative Familien” enttäuscht. “Es ist nicht ausreichend, um Infektionen rechtzeitig zu erkennen und somit Infektionsketten früh zu unterbrechen. Für echten Hygieneschutz in Schulen und Kitas braucht es eine wirklich durchdachte Teststrategie.”

Eine solche Strategie hat der wissenschaftliche Thinktank Rapistests.de kürzlich vorgestellt. Dr. Franziska Briest, Biochemikerin und sowohl bei Rapidtests.de als auch bei “Initiative Familien” ehrenamtlich aktiv, ist eine der Autorinnen des TRACE genannten Konzeptpapiers[1]. Sie weiß: “Das richtige Testkonzept ist eine entscheidende Säule der Pandemiebekämpfung. Antigen-Schnelltests tragen dazu bei, SARS-CoV-2-Infektionen in Schulen und Kitas frühzeitig zu erkennen und Übertragungen zu verhindern.”

Testhäufigkeit nicht ausreichend, Aufwand zu hoch

Um dies zu erreichen, muss die Testhäufigkeit in Niedersachsen deutlich erhöht werden: Statt wie vorgesehen einmal wöchentlich müssen die Schnelltest nach Empfehlung der Wissenschaftler:innen von rapidtest.de bei einer Inzidenz von über 35/100.000 mindestens zweimal wöchentlich bis täglich durchgeführt werden, abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen. Bei Symptomen sollte immer sofort getestet werden. Zudem ist es entscheidend, den Zugang zu den Schnelltests so unkompliziert wie möglich zu gestalten, um möglichst viele proaktive, freiwillige Testungen zu erreichen. Das Testangebot des niedersächsischen Kultusministeriums umfasst die Durchführung eines Schnelltests in einer Arztpraxis. Das erhöht den Aufwand für die Betroffenen enorm: Es kostet Zeit, sie sind an die Öffnungszeiten der Praxen gebunden, eigene Kinder müssen ggf. fremdbetreut werden – und nicht zuletzt bedeutet es einen Anstieg der Mobilität und damit ein zusätzliches Risiko des Verbreitens potenzieller Infektionen.

Mittlerweile sind unabhängig geprüfte Antigen-Schnelltests erhältlich, die eine einfache und vergleichsweise angenehme Selbsttestung ohne medizinisches Personal ermöglichen. Diese können zu Hause oder vor Ort in Schule oder KiTa durchgeführt werden, je nach Teststrategie. So könnten mit entsprechender altersgerechter Durchführung und Aufklärung auch Schüler:innen  (anterior-nasaler oder Spuck- bzw. Lolly-Test) regelmäßig getestet werden, bei jüngeren Kindern ist alternativ eine regelmäßige sogenannte Tandem-Testung der Eltern denkbar. Die Wissenschaftler:innen gehen im Testkonzept TRACE auch auf die Kommunikation sowie auf die notwendigen Schritte bei einem positiven Testergebnis ein.

Initiative Familien fordert durchdachtes und langfristiges Testkonzept

Die Kritik an der Zuverlässigkeit der Selbsttests ist für “Initiative Familien” nur bedingt nachvollziehbar. “Das Testkonzept sollte zum Ziel haben, möglichst viele unerkannte Infektionen möglichst früh zu entdecken, um Infektionsketten zu durchbrechen. Selbst wenn die Selbsttests nur 90 von 100 Infektiösen zuverlässig erkennen, sind das 90 mehr entdeckte positive Fälle als ohne Tests. Eigentlich eine ganz einfache Rechnung”, erklärt Sina Denecke. Hinzu kommt, dass Schnelltests hohe Viruslasten erkennen und ein falsches Ergebnis bei den Schnelltest häufig dann auftritt, wenn diese nach einer akuten Infektion bereits wieder abgesunken, und die Träger nicht mehr infektiös, aber noch mittels PCR als infiziert zu erkennen sind.

Unverständlich ist für Denecke auch, dass das Testangebot nur bis Ostern gilt. Sina Denecke ist verwundert: “Nach allem was wir heute wissen, wird Corona nach Ostern leider nicht schlagartig vorbei sein. Wir appellieren also dringend an Herrn Tonne, ein durchdachtes, wissenschaftlich fundiertes und langfristiges Testkonzept für Niedersachsen zu erstellen und umzusetzen. Es ist höchste Zeit, unseren Kindern Bildung und soziale Teilhabe sicher zu ermöglichen – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und ohne angezogene Handbremse!”


[1] Konzeptpapier TRACE von RapidTests.de