Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
leider sind Sie unserer Einladung zu unserer Demonstration am Sonntag, dem 28. Februar, um 11 Uhr am Roten Rathaus nicht gefolgt. Gerne fassen wir für Sie daher noch einmal die Forderungen zusammen, die Berliner Kinder und ihre Eltern dort an Sie gerichtet haben:

Übernehmen Sie die politische Verantwortung, die Sie als Regierender Bürgermeister von Berlin und als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz habenÖffnen Sie KiTas und Schule jetzt unter kindgerechten Infektionsschutzmaßnahmen! So fordern es auch die deutschen Kinder- und Jugendärzte mit den Vorsitzenden ihres Berufsverbandes, Thomas Fischbach. Halten Sie Ihr mehrfach gegebenes Versprechen: Vollständige Öffnung von KiTas und Schulen muss Vorrang vor allen anderen Öffnungen haben, die Bildung von Kindern Priorität.


Gesundheitsschutz, der den Lebens- und Entwicklungschancen und der Gesundheit von Kindern schweren Schaden zufügt, verdient diesen Namen nicht. Sie selbst haben im November darauf hingewiesen, in welch dramatischer Zahl im Frühjahr 2020 die Gewalt gegen Frauen und Kinder gestiegen war. Viele von uns beobachten Regression bei unseren Kindern, Depression, übermäßigen Medienkonsum, ja Abhängigkeit, Motivation auf dem Nullpunkt und dramatischen Leistungsabfall. Das ist das Ergebnis von wochenlangen Schul- und KiTa-Schließungen, von Kontaktverboten auch für die Kleinsten und Untersagung von Gruppensport im Freien. Kinderärzt:innen konstatieren eine Zunahme von Fettleibigkeit, Kinderpsychiater:innen und -psycholog:innen  sehen einen dramatischen Anstieg psychischer Störungen und Leiden. All das droht die Gesundheit der betroffenen Kinder dauerhaft zu beeinträchtigen. Die Anzahl der Menschen, die jedes Jahr frühzeitig an den Folgen von Fettleibigkeit sterben, übersteigt die Anzahl der COVID-19 Opfer in den vergangenen 12 Monaten um ein Vielfaches. Über Monate hinweg unterbrochener und gestörter Schulunterricht – das zeigen Untersuchungen solcher Episoden – führen zu deutlich mehr Arbeitslosigkeit, geringeren Bildungsabschlüssen, verringertem Lebenseinkommen und Lebenschancen. Auch das verschlechtert die Gesundheit und die Lebenserwartung der Betroffenen.


Sie haben dafür geworben, alles dafür zu tun, dass Kitas und Schulen offen sind – halten Sie Wort! Die Mittel dafür haben Sie. Es gibt mehrere wirksame Impfstoffe, die Sterblichkeit und Erkrankungen drastisch senken. Wenn es der deutschen Verwaltung logistisch und organisatorisch nicht gelingt, schneller zu impfen, kann die Konsequenz jedenfalls nicht sein, dass Kinder ein weiteres Opfer dieses Missstandes werden. Es gibt Hygieneschutz, der Schul- und KiTabetrieb sicher ermöglicht – erst jüngst nochmals zusammengefasst von medizinischen Expert:innen und am Schulleben Beteiligten in der S3-Leitlinie Schule. Das hat die von Ihnen  in Auftrag gegebene Schulstudie der Charité gezeigt, ebenso wie die Charité-KiTa-Studie: Auch auf dem Höhepunkt der Winterwelle im November gab nur geringe Übertragung von Sars-Cov2 in Schulen oder KiTas. Das entspricht vergleichbaren Studienergebnissen aus FrankfurtZürich, aber auch Sachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, um nur einige zu nennen. Diese Studien deuten auf eine gute Umsetzung von Hygieneregeln in Schulen und KiTas hin und geringes Risiko für Lehr- und Erziehungskräfte und andere Kontaktpersonen.  Das Auftreten potenziell ansteckenderer Mutanten ändert daran grundsätzlich nichts. Kinder stecken sich und andere seltener an; die Hygienekonzepte wirken in gleicher Weise. Regelmäßige, anlassunabhängige Schnelltests wie sie einige Bundesländer derzeit einführen, können die vorhandenen Hygienemaßnahmen wirkungsvoll ergänzen und insbesondere in Regionen mit hoher Inzidenz eine sichere Öffnung von Kitas und Schulen ermöglichen. Ansteckungen werden so schnell erkannt und Übertragungen in Bildungseinrichtungen können dadurch vermieden werden.


Vertrauen Sie den realen, im konkreten Schulkontext erhobenen Daten. Vielleicht werden Ihnen am 3. März im Kanzleramt wieder Modellrechnungen vorgestellt. Diese Modelle sind in der Aussagekraft nicht mit realen, im konkreten Schul- und KiTa-Kontext erhobenen Daten vergleichbar. Und denken Sie daran, dass Schul- und KiTabetrieb im Wechselmodus und bei reduzierter Kapazität nicht geeignet ist, Kontakte zu reduzieren. Im Gegenteil: Die Familien müssen sich womöglich in wechselnden Gruppen zusammentun, um Berufsalltag und Betreuung zu bewältigen, oder auf ältere Familienangehörige oder Bekannte als Hilfe zurückgreifen. Schule und Betreuung in festen Gruppenverbänden, bei der sich die Hygienevorkehrungen kontrollieren lassen, sind dem vorzuziehen.  Ermöglichen Sie das endlich wieder – für einen wirksamen Gesundheitsschutz.

Mit freundlichen Grüßen
Milan Renner Co-Sprecher Familien in der Krise Berlin


Impressionen von der Demo Unter diesem Link können Sie sich die Reden anhören, die bei der Demo von Mitgliedern unserer Initiative gehalten wurden.

Fotos (privat):